Arbeit mit Bestellvorschlägen in der Sage 100

Die Arbeit mit Bestellvorschlägen in der Sage 100 und eine nachvollziehbare Disposition von Artikeln ermöglicht Ihnen einen die Einkaufsprozesse im Unternehmen noch effizienter zu gestalten. Dies setzt aber voraus, dass man die verschiedenen Einstellungen in der Software  zur Bestelldisposition richtig einsetzt. Begriffe wie Dispofaktor, Wiederbeschaffungszeiten, Dispositionstermine usw. möchte ich in diesem Blogbeitrag einmal genauer beleuchten und an Hand von Beispielen deren Wechselwirkung im Einkaufsprozess erläutern. Gilt es doch genau diese Einstellungen richtig vorzunehmen um Dispositionsvorschläge seitens des Programmes für ein richtiges Bestellwesen zu nutzen.

Einstellungen zur Disposition im Artikelstamm

Voraussetzung für die Teilnahme am Bestellwesen und an einer Bestelldisposition ist der entsprechende Eintrag in den Artikelstammdaten. Nimmt der Artikel nicht an der Beschaffung teil, ist auch keine Disposition möglich – alle weiteren Angaben in den Stammdaten werden dann nicht genutzt:

Im Feld Beschaffung in Tagen geben Sie die Anzahl der Tage an, die es üblicherweise dauert bis dieser Artikel beschafft werden kann. Dieser Wert wird bei einer Disposition zum Endetermin des Dispositionstermins hinzuaddiert. Der hier hinterlegte Wert sollte nicht kleiner sein, als die Anzahl der Wiederbeschaffungszeit beim Lieferanten des Artikels.

Im Stammdatenbereich Disposition legen Sie weitere Werte fest:

Die Dispositionsmethode kann ausgewählt werden. Wenn Sie keine Disposition vornehmen wollen, so geben Sie hier 0 – keine Disposition ein. Sehr häufig werden die Methoden 10 – Disposition über Lagerbestand und 11- Disposition über Auftragsmenge und Lagerbestand verwendet. Während die Methode 10 den Meldebestand des Artikels im Lager aufzufüllen, erweitert die Methode 11 die Disposition um die offenen Auftragsbestände innerhalb des Dispositionszeitraumes.

Wenn Sie einen Bestellvorschlag zum Artikel erstellen, so wird das programmseitig ermittelte Ergebnis mit dem Dispofaktor multipliziert. Ein Dispofaktor 1,1 würde z.B. bedeuten, dass 10% der errechneten Menge mehr disponiert wird.

Der Meldebestand ist der vorgesehener Lagerbestand für den Artikel. Nach einer Disposition nach den Methoden 10 und 11 sollte dieser im Artikellager vorhanden sein. Beachten Sie, dass hier alle Lagerorte eines Artikels zusammengezählt werden. Ist der Meldebestand in einem lager vorhanden und das Lager wurde nicht von der Disposition ausgeschlossen, so erfolgt keine Disposition zum Artikel – unabhängig vom Hauptlagerort.

Die Eingaben in den Feldern Bestellmenge und Bestellmonate werden in den Dispositionsmethoden 30 und 31 verwendet.

Bestelldisposition

Über den Menüpunkt Bestelldisposition können Sie Bestellvorschläge erstellen lassen und die Bestelldisposition bearbeiten. Während über den Menüpunkt Bestellvorschläge erstellen das Programm die Vorschläge erstellt, können Sie über Bestelldisposition bearbeiten, diese automatisch erstellten Vorschläge bearbeiten oder auch manuell Bestellvorschläge erstellen:

Bestellvorschläge erstellen

Die hier vorzunehmenden Einstellungen beziehen sich auf den automatisch erstellten Bestellvorschlag. Sie legen in der Maske die Vorgaben fest und das Programm ermittelt die vorzuschlagene Menge an Artikeln. Dabei werden je Artikel folgende Werte geprüft

  • Dispositionsmethode
  • Dispositionsfaktor
  • Meldebestand
  • Wiederbeschaffungszeit beim Artikel
  • Wiederbeschaffungszeit beim Artikel-Lieferanten
  • vorhandene Dispositionsstapel
  • Vorhandene Bestellungen
  • vorhandene Aufträge (nur bei Dispomethode 11)

Die Stapelkennung können Sie mit 10 Zeichen frei vergeben. Eine Eingrenzung der Artikel, Artikelgruppen, Hauptlieferant und Projekt sind möglich.

Als Dispositionstermin wird das aktuelle Tagesdatum vorgeschlagen, dies können Sie verändern. Im Feld Disposition bis legen Sie den Betrachtungszeitraum fest, für den das Programm die entsprechenden Werte aus Bestellungen und Aufträgen berücksichtigt. Beachten Sie, dass zu diesem Zeitrahmen auch noch die Wiederbeschaffungszeit des Artikels und die Tage für die Artikellieferung x Tage vor Bedarf addiert werden.

Die Einstellungen im Feld Positionen bedeuten:

  • für den Stapel zusammenfassen – gleiche Artikel mit unterschiedlichen Bedarfsterminen werden zusammmengefasst
  • wochenweise zusammenfassen – die Artikel werden nach Wochen zusammengefasst, d.h. der Artikel kann mehrfach im Stapel sein, wenn in unterschiedliche Wochen ein Bedarf entsteht
  • nicht zusammenfassen – die Artikel werden nach ihrem tatsächlichen Bedarf pro Tag im Bestellstapel angezeigt.
    Hinweis: Dies ist nicht möglich, wenn in den Mandantengrundlagen als Ausweis des Liefertermins Kalenderwoche hinterlegt ist

Wenn Sie die Option Wiederbeschaffungszeit des Lieferanten berücksichtigen wählen, so wird bei der Erstellung dieser Tag in der Berechnung mit berücksichtigt.
Beispiel: Ein Bedarf nach einem Artikel ist für den 10.03. vorhanden, die Wiederbeschaffungszeit beim Lieferanten sind 3 Tage – also wird der Bedarf auf den 7.3. festgelegt.

Die Option Zugänge nach Auftragsliefertermin berücksichtigen, werden auch Bestellungen in der Disposition berücksichtigt, die vom Liefertermin nach dem Auftragstermin des Bedarfs liegen.

Die Einstellung Preisgünstigsten Lieferanten ermitteln ermöglicht Ihnen eine Suche über alle Lieferanten des Artikels nach dem Preis. Im Vordergrund steht, ob der Lieferant vom Zeitpunkt her liefern kann, wenn es mehrere Lieferanten dann noch gibt, werden die Preise und Rabatte verglichen. Sie hinterlegen einen Prozentsatz, der max überschritten werden kann um so den günstigsten Lieferanten zu ermitteln.

Berechnungsbeispiele mit Dispositionsmethode 10

Die hier dargestellten Beispiele wurden mit dem Demomandanten erstellt. Es gibt keine abweichenden Mengeneinheiten und Umrechnungen. Die Beispiele dienen dem Verständnis zur Mengenermittlung

1. Berechnungsbeispiel mit Dispositionsmethode 10

  • Lagerbestand Artikel: 7 Stück
  • Dispositionsfaktor: 1,0
  • Meldebestand: 50 Stück
  • es gibt keine offenen Bestellungen und keine vorhandenen Dispositionsstapel
  • der Betrachtungszeitraum der Disposition spielt keine Rolle, da das Lager nur aufgefüllt wird mit Methode 10

Bestellvorschlag: 43 Stück

2. Berechnungsbeispiel mit Dispositionsmethode 10

  • Lagerbestand Artikel: 7 Stück
  • Dispositionsfaktor: 1,1
  • Meldebestand: 50 Stück
  • es gibt keine offenen Bestellungen und keine vorhandenen Dispositionsstapel
  • der Betrachtungszeitraum der Disposition spielt keine Rolle, da das Lager nur aufgefüllt wird mit Methode 10

Bestellvorschlag: 48 Stück – ergibt sich aus 43* Faktor 1,1 (4,3 gerundet auf ganze Stück =5)

3. Berechnungsbeispiel mit Dispositionsmethode 10

  • Lagerbestand Artikel: 7 Stück
  • Dispositionsfaktor: 1,0
  • Meldebestand: 50 Stück
  • es gibt einen Bestellvorschlag zum Artikel mit 10 Stück

Bestellvorschlag: 33 Stück

4. Berechnungsbeispiel mit Dispositionsmethode 10

  • Lagerbestand Artikel: 7 Stück
  • Dispositionsfaktor: 1,0
  • Meldebestand: 50 Stück
  • Dispositionstag: 24.2.
  • es gibt eine Bestellung mit Liefertermin 24.08. über 9 Stück
  • Disposition bis 24.07

Bestellvorschlag: 43 Stück

5. Berechnungsbeispiel mit Dispositionsmethode 10

  • Lagerbestand Artikel: 7 Stück
  • Dispositionsfaktor: 1,0
  • Meldebestand: 50 Stück
  • Dispositionstag: 24.2.
  • es gibt eine Bestellung mit Liefertermin 24.08. über 9 Stück
  • Disposition bis 25.07

Bestellvorschlag: 34 Stück – da die Wiederbeschaffungszeit beim Artikel mit 30 Tagen angelegt wurde

6. Berechnungsbeispiel mit Dispositionsmethode 10

  • Lagerbestand Artikel: 7 Stück
  • Dispositionsfaktor: 1,0
  • Meldebestand: 50 Stück
  • Dispositionstag: 24.2.
  • es gibt eine Bestellung mit Liefertermin 24.08. über 9 Stück
  • Disposition bis 22.08.

Bestellvorschlag: 43 Stück – da die Wiederbeschaffungszeit beim Artikel mit 0 Tagen angelegt wurde

Berechnungsbeispiele mit Dispositionsmethode 11

Die hier dargestellten Beispiele wurden mit dem Demomandanten erstellt. Es gibt keine abweichenden Mengeneinheiten und Umrechnungen. Die Beispiele dienen dem Verständnis zur Mengenermittlung.

1. Berechnungsbeispiel mit Dispositionsmethode 11

  • Lagerbestand Artikel: 6 Stück
  • Dispositionsfaktor: 1,0
  • Meldebestand: 50 Stück
  • es gibt keine offenen Bestellungen, keine vorhandenen Dispositionsstapel und keine offenen Auftragsbestätigungen

Bestellvorschlag: 44 Stück

2. Berechnungsbeispiel mit Dispositionsmethode 11

  • Lagerbestand Artikel: 6 Stück
  • Dispositionsfaktor: 1,0
  • Meldebestand: 50 Stück
  • Wiederbeschaffungszeit beim Artikel 30 Tage
  • offenen Auftragsbestätigungen 5 Stück mit Lieferung 20.03.
  • Disposition bis 24.02.

Bestellvorschlag: 49 Stück  (44 um das Lager aufzufüllen + 5 für den offenen Auftrag) durch die Wiederbeschaffungszeit verlängert sich der Zeitraum Disponiert bis auf 24.03.

3. Berechnungsbeispiel mit Dispositionsmethode 11

  • Lagerbestand Artikel: 6 Stück
  • Dispositionsfaktor: 1,0
  • Meldebestand: 50 Stück
  • Wiederbeschaffungszeit beim Artikel 30 Tage
  • offenen Auftragsbestätigungen mit Lieferung 28.03.
  • Disposition bis 24.02.

Bestellvorschlag: 44 Stück  durch die Wiederbeschaffungszeit verlängert sich der Zeitraum Disponiert bis auf 24.03. jedoch ist die Lieferung erst am 28.03.

4. Berechnungsbeispiel mit Dispositionsmethode 11

  • Lagerbestand Artikel: 6 Stück
  • Dispositionsfaktor: 1,0
  • Meldebestand: 50 Stück
  • Wiederbeschaffungszeit beim Artikel 30 Tage
  • offenen Auftragsbestätigungen mit Lieferung 20.03. und Offene Bestellung von 25 Stück mit Lieferung 19.03.
  • Disposition bis 24.02.

Bestellvorschlag: 24 Stück  durch die Wiederbeschaffungszeit verlängert sich der Zeitraum Disponiert bis auf 24.03., es werden der geplante Wareneingang von 25 Stück und die geplante Lieferung von 5 Stück berücksichtigt (44 um Lager zu füllen, -25 durch Wareneingang, +5  durch Lieferung)

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